Ausstellungseröffnung am 11. September 2026 in der Sparkasse Westerwald-Sieg in Montabaur
Wie sichtbar ist Geschichte – und was bedeutet es, wenn die Orte und Schicksale von Menschen, die während der NS-Zeit verfolgt wurden, in der eigenen Region liegen?
Mit diesen Fragen beschäftigt sich die Ausstellung „Für jeden sichtbar …“ der Gedenkstätte KZ Osthofen. Sie wird am Freitag, 11. September 2026, um 11 Uhr in der Hauptfiliale der Sparkasse Westerwald-Sieg in Montabaur eröffnet. Zuvor war die Ausstellung bereits am Mons-Tabor-Gymnasium Montabaur sowie in der Verbandsgemeindeverwaltung Hachenburg zu sehen. Veranstalter sind diesmal die Stadt Montabaur, das Mons-Tabor-Gymnasium Montabaur und die Sparkasse Westerwald-Sieg. Anschließend kann die Ausstellung zwei Wochen lang im Foyer der Sparkasse besucht werden.
Im Mittelpunkt der Eröffnungsveranstaltung steht das langjährige Engagement von Schülerinnen und Schülern des Mons-Tabor-Gymnasiums. Oberstufenschülerinnen und -schüler geben Einblicke in ihre Recherchen, die Konzeption und die Entwicklung verschiedener Unterrichtsprojekte zu Biografien von NS-Verfolgten aus dem heutigen Westerwaldkreis. Aus diesen Arbeiten sind über die Jahre konkrete Gedenk- und Erinnerungsorte in der Region hervorgegangen, die vielfach bereits umgesetzt oder von kommunalen Gremien beschlossen wurden.
Anschließend stellt Dr. Markus Müller am Beispiel des Schicksals von August Schäfer III (1893–1959) aus Nister einen der bedeutenden Verfolgungsfälle aus Rheinland-Pfalz vor. Der als „arbeitsscheu“ verunglimpfte Westerwälder überlebte unter anderem die Konzentrationslager Buchenwald und Flossenbürg sowie das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. In den multimedialen Vortrag fließen auch neue Erkenntnisse aus Besuchen der Gedenkstätten Buchenwald und Auschwitz-Birkenau ein.
Regionale Geschichte sichtbar machen
Die Ausstellung selbst umfasst 18 Banner und zeigt ausschließlich Orte nationalsozialistischer Verfolgung im heutigen Rheinland-Pfalz. Sie wurde von der Gedenkstätte KZ Osthofen als regionalhistorische Ergänzung zur Ausstellung „Einige waren Nachbarn“ des United States Holocaust Memorial Museum in Washington, D.C., konzipiert. Gemeinsam mit der Ausstellung werden fünf Roll-Ups präsentiert, die Schülerinnen und Schüler des Mons-Tabor-Gymnasiums in Kooperation mit der Gedenkstätte KZ Osthofen in den Jahren 2025/26 entwickelt haben. Sie stellen die Lebensgeschichten von Menschen aus dem Westerwald in den Mittelpunkt. Als jüngstes Beispiel entstand ein Roll-Up über den polnischen Staatsbürger Tadeusz Prusak (1919–1999). Er wurde zum Arbeitseinsatz nach Kuhnhöfen und Welschneudorf verpflichtet und anschließend in Konzentrationslager verschleppt.
Ergänzt wird die Präsentation durch originale Dokumentationen zu den zahlreichen Gedenk- und Erinnerungsprojekten, die über Jahre hinweg am Mons-Tabor-Gymnasium durchgeführt wurden und zur Entstehung von Erinnerungsorten in der Region beigetragen haben.
Die Eröffnungsveranstaltung am 11. September um 11 Uhr steht allen Interessierten offen. Die Platzmöglichkeiten sind begrenzt. Auch ein Besuch der Ausstellung während der regulären Öffnungszeiten der Sparkasse ist insbesondere für Schulklassen empfehlenswert.
Die Ausstellung lädt dazu ein, hinzusehen, nachzufragen und sich mit den Lebensgeschichten der Verfolgten auseinanderzusetzen. Denn Erinnerung wird besonders greifbar, wenn sie mit konkreten Menschen, Orten und Geschichten verbunden ist – auch und gerade in unserer eigenen Region.
Wertvolle Unterstützung durch die evm
Dass die Auseinandersetzung mit den Opfern der NS-Zeit auch außerhalb der Schule auf großes Interesse und Unterstützung stößt, zeigte sich bereits Ende Mai 2026. Im Rahmen der „evm-Ehrensache“ unterstützte die Energieversorgung Mittelrhein (evm) das umfangreiche und ständige erweiterte Projekt mit einer Spende in Höhe von 3.000 Euro. Die Übergabe erfolgte in Hachenburg durch Bürgermeisterin Gabriele Greis, dem Ersten Beigenordneten Marco Dörner und evm-Kommunalbetreuer Norbert Rausch an Dr. Markus Müller, der die zahlreichen Projekte als Forscher, Initiator und Betreuer betreut. (Foto: Fotostudio Röder-Moldenhauer, Bad Marienberg). Die Förderung unterstreicht die Bedeutung der schulischen Gedenkarbeit, die einen wichtigen Beitrag dazu leistet, regionale Geschichte zu erforschen und die Erinnerung an Menschen wachzuhalten, deren Schicksale lange Zeit kaum Beachtung fanden.
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