Fachbereich Geschichte

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„Der Schrecken war vor der Haustür!“

  • 28 November 2019 |

20191108 autorenlesung sass nachberichtBerliner Historiker Jakob Saß referierte über den SS-Schergen Adolf Haas aus Hachenburg

Die Überraschung war groß, als ein erst 29-jähriger, temperamentvoller Historiker am 8. November 2019 in der Aula mit der Präsentation seiner Forschungsergebnisse begann. Auch wenn es sich bei dem diesjährigen Thema der regelmäßigen Veranstaltungen zum „9. November“ am Mons-Tabor-Gymnasium um einen Abschnitt der Zeitgeschichte handelt, hatten die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 12 doch mit einem älteren, gesetzten Herrn gerechnet, der ihrem stereotypen Bild des Historikers entsprochen hätte.

Jakob Saß aus Berlin verstand es im Vortrag besonders gut, seine Begeisterung für das Fach Geschichte weiterzugeben, und lud die Zuhörer dazu ein, seine eigene spannende Entdeckungsreise auf den Spuren des wohl schrecklichsten Westerwälders der Geschichte mitzuerleben. Der in Siegen geborene und ab seiner frühesten Jugend in Hachenburg lebende Bäcker Adolf Haas machte nach seiner Zeit als Kolonialsoldat in der deutschen Kolonie Tsingtau (China) und in japanischer Kriegsgefangenschaft als „Konjunkturritter“ in der NSDAP und der SS eine schnelle, ja atemberaubende Karriere. Schon in der Pogromnacht 1938 eine treibende Kraft in den Aktionen gegen jüdische Mitbürger, z.B. in Mogendorf, stieg er auf zum Kommandanten der Konzentrationslager Niederhagen (Wewelsburg) und Bergen-Belsen. Letzteres ist durch den Tod von Anne Frank für viele Jugendliche bekannt geworden. Überall, wo Haas wirkte, war er für Tod und Leid in erschreckender Weise verantwortlich. Der Referent bezog sein junges Publikum interaktiv in zwei Übungen zur historischen Bildanalyse und zur Entzifferung des in deutscher Kurrentschrift verfassten Lebenslaufs ein, was spürbar zur Belebung der Veranstaltung beitrug. Besonderes Interesse fanden seinen abschließenden Ausführungen zu Haas‘ Verbleib nach dem Zweiten Weltkrieg, der für Saß Anlass zu weiteren Nachforschungen bietet.

20191108 autorenlesung sass nachbericht2Der Fall des Westerwälders „Adolf Haas“ führt deutlich vor Augen, welches Potenzial immer noch vernachlässigte regionalgeschichtliche Forschungsergebnisse aufweisen können, da sie die eher „fern“ wirkenden Ereignisse und Entwicklungen in der nahen Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler konkretisieren und beispielhaft illustrieren. „Ich war überrascht, wie nah der Schrecken doch vor meiner Haustür lag!“, meinte eine Schülerin später. Die abschließende Diskussionsrunde machte eindrucksvoll deutlich, wie stark das Thema in verschiedene Unterrichtsfächer nachhaltig hineinragt, ermöglicht es doch nicht nur im Fach Geschichte, sondern auch in Religion/Ethik, Deutsch und Sozialkunde problemlos Anknüpfungspunkte zur unterrichtlichen Behandlung und Vertiefung. Die durchweg positiven Resonanzen der Teilnehmer äußerten sich für den Berliner Historiker ganz praktisch darin, dass er von seinem frisch erschienenen Buch noch einige Exemplare zu signieren hatte – eine Verpflichtung, der er gerne nachkam.

Dr. Markus Müller

Letzte Änderung am Donnerstag, 28 November 2019 17:15
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